Am spannendsten wird Forschung für Dr. Indre Versinskaite dort, wo vorhandene Lösungen nicht mehr weiterführen. Dann beginnt für sie der kreative Teil der Chemie: neue Ansätze ausprobieren, Rückschläge verstehen und Materialien entwickeln, die es so bisher noch nicht gab.
Bei Lohmann arbeitet sie seit 2022 im Bereich Research & Development, Technical Products und leitet dort den Bereich Advanced Adhesives. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt sie unter anderem reaktive Klebebänder für die Elektromobilität. Im Interview spricht sie über ihren Weg von der Grundlagenforschung in die industrielle Entwicklung, prägende Wegbegleiter und die Hürden, denen Frauen in MINT-Berufen noch immer begegnen.
Woran arbeitest du derzeit – und was macht das Thema für dich besonders interessant?
Besonders spannend finde ich aktuell Klebelösungen für Batterien von Elektrofahrzeugen. Das Thema hat eine hohe Bedeutung für die Industrie und für die Weiterentwicklung der Elektromobilität. In diesem Bereich arbeite ich an mehreren anspruchsvollen Projekten.
Viele Fragestellungen sind noch neu und komplex – genau das macht die Arbeit für mich so reizvoll.
Wir entwickeln Lösungen für konkrete technologische Herausforderungen und können damit einen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Elektromobilität leisten.
Was begeistert dich an der Chemie besonders?
Mich fasziniert die Möglichkeit, durch chemische Reaktionen neue Verbindungen zu erzeugen, einschließlich solcher, die zuvor noch nicht existierten. Auf diese Weise entstehen Materialien mit einzigartigen Eigenschaften, die einen konkreten Mehrwert bieten und zur Lösung aktueller technologischer Herausforderungen beitragen können.
Gleichzeitig ist die Arbeit im Labor für mich auch eine Art Handwerk. Präzision und praktische Fähigkeiten sind ebenso wichtig wie theoretisches Wissen. Besonders spannend finde ich den kreativen Teil: neue Ansätze auszuprobieren, Rückschläge zu analysieren und weiterzuforschen, bis aus einer komplexen Fragestellung eine neue Erkenntnis oder eine passende Lösung entsteht.
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Wie wurde aus deiner frühen Begeisterung für Chemie schließlich dein Beruf?
Chemie hat mich schon früh gefesselt – und für mich stand schnell fest, dass ich auch beruflich in diese Richtung gehen wollte. Nach meinem Studium und der Promotion wollte ich weiterhin forschen, anwendungsbezogen arbeiten und am Ende vielleicht sogar ein selbst entwickeltes Produkt in den Händen halten können.
Dieser Wunsch führte mich in die Industrie und schließlich zu Lohmann. Hier kann ich mein chemisches Wissen einsetzen, um gemeinsam mit meinem Team innovative Klebelösungen für konkrete Anforderungen zu entwickeln. Besonders reizen mich Aufgaben, für die wir Lösungen von Grund auf neu entwickeln müssen.
Wer hat dich auf diesem Weg besonders geprägt?
Meine Eltern konnten mit meinem Wunsch, Chemikerin zu werden, zunächst nicht viel anfangen – unterstützt haben sie mich trotzdem immer. Auch meine Chemielehrerin hat früh gesehen, wie sehr mich das Fach begeistert, und mich ermutigt, diesen Weg weiterzugehen.
Später war es vor allem ein Professor, der mir viel zugetraut hat. Er begleitete mich vom Bachelor bis zur Promotion und gab mir große Freiheit in meiner Forschung. Dieses Vertrauen hat mich fachlich wie persönlich sehr geprägt.
Wo bestehen heute noch Hürden für Frauen in MINT-Berufen – und was müsste sich ändern?
Hürden sehe ich vor allem bei der Anerkennung und Sichtbarkeit von Leistungen. Vorurteile treten heute vielleicht weniger offen zutage, sind aber weiterhin vorhanden. Obwohl das Geschlechterverhältnis in meinem Chemiestudium ausgeglichen war, habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mich als Frau stärker behaupten musste, um mit meiner Kompetenz wahrgenommen zu werden.
Gleichzeitig zweifeln viele Frauen stärker an sich, als es ihre Fähigkeiten rechtfertigen. Sichtbare Vorbilder können hier viel bewirken. Während meiner Schulzeit hätte ich mir gewünscht, mehr Frauen in MINT-Berufen und ihre unterschiedlichen Wege kennenzulernen. Das kann Interesse wecken und das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten stärken.
Bei Lohmann erlebe ich bereits ein positives Bild: In unserer Forschung und Entwicklung arbeiten insgesamt mehr Frauen als Männer, unter den Team Leads ist das Verhältnis ausgewogen. Entscheidend sind für mich aber nicht nur die Zahlen, sondern eine Kultur, in der Kompetenz unabhängig vom Geschlecht wahrgenommen wird. Mehr Chancengleichheit stärkt nicht nur die Innovationskraft von Unternehmen, sondern auch die Attraktivität von MINT-Berufen insgesamt.
Lohmann
Women in STEM
Was begeistert Frauen an Naturwissenschaft und Technik? Wie haben sie ihren Weg gefunden – und welche Erfahrungen haben sie dabei gemacht? In unserer Interviewreihe stellen wir Kolleginnen vor, die bei Lohmann forschen, Technologien entwickeln und Verantwortung übernehmen. Ihre Geschichten zeigen, wie vielfältig MINT-Karrieren sein können und wo weiterhin Hürden bestehen.
STEM steht für Science, Technology, Engineering and Mathematics. Im Deutschen wird dafür die Abkürzung MINT verwendet: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.