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Karina Schloms: Wo aus Daten Wissen wird, beginnt ihre Arbeit

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Wo komplexe Daten, digitale Systeme und menschliches Erfahrungswissen aufeinandertreffen, wird die Arbeit für Karina Schloms besonders spannend. Dann geht es für sie darum, Muster sichtbar zu machen, Zusammenhänge zu verstehen und aus einer Vielzahl von Informationen belastbares Wissen entstehen zu lassen. 

Bei Lohmann arbeitet sie in der Forschung und Entwicklung und leitet dort den Bereich Data Science. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt sie datenbasierte Modelle für die Produktentwicklung. Im Interview spricht sie über ihren Weg von der Chemie zur Data Science, prägende MINT-Erfahrungen und die Bedeutung von Arbeitsmodellen, die Karriere und Familie miteinander vereinbar machen.

Woran arbeitest du derzeit – und was macht das Thema für dich besonders interessant?

Momentan beschäftigt sich mein Team mit der Frage, wie wir digitale Werkzeuge und künstliche Intelligenz konkret im Entwicklungsprozess einsetzen können. Dies betrifft zum einen die Stärkung unserer Entwicklungsdatenbank, des klassischen Machine-Learning und der Versuchsplanung, umfasst jedoch auch die Bereiche der praktischen Laborarbeit, der Recherche und der Dokumentation. Wie wollen wir in den nächsten Jahren Produktentwicklung gestalten? Unser Ziel sind Lösungen, die nicht nur technisch funktionieren, sondern unsere Mitarbeitenden dazu befähigen, ihre Expertise optimal einzusetzen.

Was begeistert dich an Naturwissenschaften und Data Science besonders?

Die Naturwissenschaften haben mich schon früh begeistert. Mich fasziniert die Möglichkeit, Ordnung in komplexe Zusammenhänge zu bringen und Muster zu erkennen. Systeme zu verstehen und Struktur in etwas scheinbar Unübersichtliches zu bringen, begleitet mich schon sehr lange.

Das Bild zeigt Karina Schloms, wie sie draußen vor einigen Bäumen spazieren geht.

Heute reizt mich besonders die Schnittstelle zwischen Chemie, Mathematik und digitaler Transformation. Mithilfe von Daten und Künstlicher Intelligenz können wir Prozesse weiterentwickeln und vorhandenes Wissen besser nutzen. 

Mich motiviert es, wenn wir durch datenbasierte Entwicklung nicht nur effizienter, sondern auch intelligenter arbeiten können. Data Science ist für mich deshalb kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das neue Erkenntnisse und Lösungen ermöglicht.

Wie führte dein Weg von der Chemie schließlich zur Data Science bei Lohmann?

Naturwissenschaften haben mich schon früh geprägt – nicht zuletzt durch meine Mutter, die als Chemielaborantin arbeitete. Nach dem Abitur entschied ich mich für ein Chemiestudium in Mainz. Dabei merkte ich jedoch schnell, dass mich weniger die Arbeit im Labor faszinierte als die analytische Seite: Daten, Analysen und mathematische Zusammenhänge. 

Über das Peter-Barth-Stipendium kam ich während meines Masterstudiums zu Lohmann und arbeitete eng mit der Forschung und Entwicklung zusammen. Nach meinem Abschluss stieg ich dort direkt ein und beschäftigte mich zunehmend mit Produktintelligenz, Machine-Learning und Data Science. Seit 2025 leite ich das Data-Science-Team und gestalte nun die Weiterentwicklung dieses Themenbereichs aktiv mit. 

Wer oder was hat dich auf diesem Weg besonders geprägt?

Schon während meiner Schulzeit habe ich gezielt MINT-Angebote wahrgenommen – vom Girls’ Day bis zu Mentoringprogrammen für Mädchen in den Naturwissenschaften. Besonders wertvoll war für mich, dabei früh andere engagierte Frauen kennenzulernen, die ähnliche Interessen und Ziele hatten. Das hat mir gezeigt, dass Frauen in naturwissenschaftlichen Berufen keine Ausnahme sein müssen.

Karina Schloms sitzt an einem Tisch, vor ihr liegt ein aufgeschlagenes Notizbuch.

Bei Lohmann hat mich vor allem ein Vorgesetzter geprägt, der mir früh Vertrauen entgegengebracht und Gestaltungsspielraum gegeben hat. So konnte ich mich ausgehend von meiner physikalisch-chemischen Ausbildung und ersten Programmiererfahrungen in ein innovatives Themenfeld hineinentwickeln und früh Verantwortung übernehmen.

Wo bestehen heute noch Hürden für Frauen in MINT-Berufen – und was müsste sich ändern?

Während meiner Ausbildung und meines Studiums war ich von vielen Frauen umgeben. Gerade in der Chemie ist ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis keine Seltenheit. Dennoch habe ich beobachtet, dass bestimmte Herausforderungen häufig erst später sichtbar werden – besonders dann, wenn berufliche Entwicklung und Familiengründung gleichzeitig relevant werden. 

Viele Frauen stehen vor der Frage, wie sich Beruf und Familienleben langfristig miteinander vereinbaren lassen. Das betrifft nicht ausschließlich MINT-Berufe, ist in anspruchsvollen technischen und naturwissenschaftlichen Tätigkeiten aber besonders spürbar. Ich bin Mutter und musste auch für mich neu aushandeln, wie sich Verantwortung im Beruf und im Privatleben verbinden lassen. 

Entscheidend sind deshalb flexible Arbeitsmodelle, eine offene Unternehmenskultur und Verständnis für unterschiedliche Lebensphasen. Bei Lohmann erlebe ich, dass diese Vereinbarkeit durch flexible Arbeitszeiten und Modelle wie Führen in Teilzeit unterstützt wird. 

Jungen Frauen wünsche ich, dass sie sich nicht von möglichen späteren Hürden abschrecken lassen. Die eigene Begeisterung und Kompetenz sollen bei der Berufswahl im Vordergrund stehen. Gleichzeitig müssen Unternehmen und unsere Gesellschaft Strukturen schaffen, die unterschiedliche Lebensentwürfe ermöglichen und Frauen darin unterstützen, ihren beruflichen Weg langfristig weiterzugehen.

Eine junge Frau hält einen Block Hotmelt.

Lohmann
Women in STEM

Was begeistert Frauen an Naturwissenschaft und Technik? Wie haben sie ihren Weg gefunden – und welche Erfahrungen haben sie dabei gemacht? In unserer Interviewreihe stellen wir Kolleginnen vor, die bei Lohmann forschen, Technologien entwickeln und Verantwortung übernehmen. Ihre Geschichten zeigen, wie vielfältig MINT-Karrieren sein können und wo weiterhin Hürden bestehen.  

STEM steht für Science, Technology, Engineering and Mathematics. Im Deutschen wird dafür die Abkürzung MINT verwendet: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

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