TEIL 5 I Der Druck mit erweitertem Farbraum (Extended Color Gamut) hat sich schneller als von den meisten erwartet von einer Nischentechnik zu einem Mainstream-Thema entwickelt. Wenn Sie in den Bereichen flexible Verpackungen, Etiketten oder Kartonverpackung tätig sind, ist der Druck mit erweitertem Farbraum wahrscheinlich bereits Teil Ihrer Kundengespräche – oder wird es bald sein. Dieser Artikel erläutert, worum es sich dabei eigentlich handelt, was diese Technik aus betrieblicher Sicht attraktiv macht und in welchen Bereichen der Prozess Anforderungen stellt, die der herkömmliche Flexodruck nicht erfüllen kann.
Von vier auf sieben Farben – was sich ändert
Der herkömmliche Flexodruck arbeitet mit CMYK, ergänzt durch Sonderfarben, die häufig marken- und motivspezifisch sind. Der Druck mit erweitertem Farbraum (ECG) ersetzt die Sonderfarben durch einen festen Sieben-Farben-Farbsatz – in der Regel CMYK plus Orange, Grün und Violet –, der in der Lage ist, eine große Bandbreite an Pantone-Farben zu reproduzieren, ohne dass zwischen den Aufträgen Farben oder Rasterwalzen gewechselt werden müssen.
Die betriebliche Logik ist einfach: Da derselbe Farbsatz und dieselbe Rasterwalzenkonfiguration für mehrere Aufträge verwendet werden, können Verarbeiter die mit Farbwechseln, Spülvorgängen und Reinigungen verbundenen Stillstandzeiten drastisch reduzieren. Auch die Farbbrillanz verbessert sich – ein Sieben-Farben-ECG-Verfahren kann in der Regel rund 90 % der Pantone-Farbpalette reproduzieren, verglichen mit etwa 45 % beim herkömmlichen Vierfarbdruck.
Dieser erweiterte Farbraum macht den ECG-Druck besonders attraktiv für Luxusverpackungen im Beauty- und Kosmetikbereich, wo feine Schattendetails und naturgetreue Farbgenauigkeit direkt mit der Markenwahrnehmung zusammenhängen. Zudem unterstützt er den Trend zu kleineren, effizienteren Auflagen: Da keine Farb- und Rasterwalzenwechsel erforderlich sind, können Verarbeiter effektiver mit dem digitalen Kleinauflagendruck konkurrieren und gleichzeitig die Kostenvorteile des Flexodrucks bei großen Auflagen beibehalten. Und unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit entsteht durch einen festen Farbsatz weniger Abfall durch Sonderfarben – weniger Entsorgung, geringerer ökologischer Fußabdruck pro Auftrag.
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Die Herausforderung, die sich hinter der Chance verbirgt
Hier liegt der grundlegende Unterschied zwischen ECG und herkömmlichem Flexodruck – und der Grund, warum der Spielraum für mechanische Schwankungen geringer ist. Beim ECG-Druck werden Marken-Sonderfarben nicht direkt gedruckt. Sie werden durch eine Überlagerung von bis zu drei Farbseparationen simuliert, die präzise übereinandergeschichtet werden. Diese Simulation funktioniert nur, wenn der Tonwertzuwachs während des gesamten Drucklaufs konstant bleibt.
Verschiebt sich der Tonwertzuwachs auch nur geringfügig, weicht die simulierte Sonderfarbe vom angestrebten Pantone-Wert ab. Die Folge sind Farbabweichungen über den gesamten Druckauftrag hinweg: genau die Art von Abweichung, die zu Kundenbeschwerden führt, wenn eine Lieferung nicht dem festgelegten Farbstandard einer Marke entspricht.
Im konventionellen Flexodruck werden geringfügige Schwankungen der Tonwertzunahme in Sonderfarben kaum sichtbar. Bei ECG werden sie verstärkt – da die Sonderfarbe simuliert und nicht direkt gedruckt wird.
Die Momente, in denen die Tonwertschwankungen am wahrscheinlichsten auftreten, sind vorhersehbar: beim Anfahren der Druckmaschine, während die Geschwindigkeit auf Produktionsgeschwindigkeit hochgefahren wird; bei der Temperaturstabilisierung, wenn Walzen und Druckfarben ihre Betriebsbedingungen erreichen; und beim Einstellen des Anpressdrucks, wenn die Druckmaschine ihren Betriebszustand erreicht. Dies sind unvermeidbare Phänomene – sie sind ein normaler Bestandteil der Anlaufphase jedes Druckauftrags. Die Frage ist nicht, ob sie auftreten, sondern ob das Drucksystem sie auffangen kann, ohne die Farbgenauigkeit zu beeinträchtigen.
Beim herkömmlichen Vierfarb- oder Sonderfarbdruck liegt diese Schwankung in der Regel innerhalb einer Toleranz, die der Prozess auffangen kann und visuell nicht im Druckergebnis sichtbar sind. Beim ECG ist diese Toleranz kleiner – und die Toleranz für mechanische Unregelmäßigkeiten ist im gesamten Drucksystem entsprechend geringer.
Die Tonwertkurve – die Qualität des Klischeeklebebands anhand der Daten ablesen
Einer der deutlichsten Indikatoren für die Klebebandleistung in einer ECG-Umgebung ist der Tonwertverlauf – die Druckkennlinie, die abbildet, wie sich die Punktgrößen über den Tonwertbereich von Lichtern bis zu Schatten reproduzieren.
Damit ECG wie vorgesehen funktioniert, muss sich diese Kurve auf eine bestimmte Weise verhalten. Die Tonwerte sollten so harmonisch wie möglich wiedergegeben werden, was bedeutet, dass die Kennlinie so monoton wie möglich verlaufen sollte – ohne Umkehrungen im Verlauf, die auf ein inkonsistentes Kompressionsverhalten in bestimmten Tonwertbereichen hindeuten würden. Entscheidend ist, dass die Kurve dicht an der Winkelhalbierenden verläuft, insbesondere in den Lichten, wo die Farbsimulation von ECG am empfindlichsten auf Abweichungen reagiert. Und vielleicht am aussagekräftigsten: Ein gut spezifiziertes Klischeeklebeband erzeugt eine Kennlinie, die so unabhängig wie möglich auf Änderungen der Druckgeschwindigkeit und der Druckkraft-Einstellungen reagiert. Verschiebt sich die Kurve bei Änderungen der Geschwindigkeit oder des Drucks erheblich, verstärkt das Klebeband die Schwankungen, anstatt sie auszugleichen.

Vergleich der Tonwertverläufe – Standardband (links) vs. hochwertiges Band (rechts)
Substrat: LD-PE film, 50 µm, Weiss, 800 mm breit
Druckmaschine: Bobst Flexpress 6S/8
Rot: Druckgeschwindigkeit 100 m/min
Grün: Druckgeschwindigkeit 200 m/min
Der Unterschied zwischen einem hochqualitativem Klischeeklebeband und diversen Alternativen ist in den Daten erkennbar. Ein hochwertiges Klebeband erzeugt eine glatte Punktzuwachskurve nahe der Winkelhalbierenden – konsistent, vorhersehbar und weitgehend unabhängig von Geschwindigkeitsänderungen. Ein Klebeband, das nicht auf die Anforderungen des ECG abgestimmt ist, weist oft eine insgesamt höhere Tonwertzunahme, weniger harmonische Kurven und eine Kennlinie auf, die empfindlich auf Änderungen der Druckgeschwindigkeit reagiert. Bei einem ECG-Drucklauf führt diese Empfindlichkeit direkt zu Farbverschiebungen – und Farbverschiebungen führen wiederum zu Kundenbeschwerden und Ausschuss.
Das sind die Anhaltspunkte, auf die wir achten, wenn wir Kunden bei der Festlegung einer ECG-Klischeeklebeband-Spezifikation unterstützen. Die Kennlinie lügt nicht – sie zeigt Ihnen genau, wie sich das Band unter Produktionsbedingungen verhält und ob sein Kompressions- und Rückstellverhalten den Prozess stabil hält oder Schwankungen verursacht.
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In TEIL 6: Was die engeren Toleranzen von ECG hinsichtlich der Variabilität für Ihr Klischeeklebeband bedeuten – und warum die in den Teil 3 und 4 behandelten Spezifikationsentscheidungen in einer ECG-Umgebung wichtiger denn je sind.

